Aktuelles Heft

Jg. 66, 2018, Heft 2: Dörflichkeit und Ländlichkeit

 

Hg.: Claudia Neu und Eva Barlösius

 

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INHALT

 

7–10
Claudia Neu, Eva Barlösius:
Editorial: Dörflichkeit und Ländlichkeit – Studien über das soziale Leben im Dorf

 

11–22
Claudia Neu:
Akteure der Neuen Dörflichkeit

 

23–40
Werner Nell, Marc Weiland:
Zwischen Imagination, Projektion und Erfahrung: Topoi des Dörflichen und ihre Funktionen in der Gegenwart

 

41–53
Gisbert Strodrees:
Zwischen Landlust und Randfrust – mediale Dorf-Bilder der Gegenwart

 

55–68
Eva Barlösius:
Dörflichkeit? Theoretische und empirische Reflexionen über einen heterodoxen Begriff

 

FORUM

 

69–73
Sarah Heuberger, Fabian Schroth:
W-LAN und kein Bus nach sieben – über ein Coworking Space auf dem Land

 

75–81
Sebastian Dräger, Rüdiger Jacob, Johannes Kopp, Nico Richter:
Die familiale Lebenswelt von Bauern und Nicht-Bauern

 

83–87
Zora Becker, Insa Cheng, Matthias Galle, Lien Lammers, Ines Lüder, Anja Neubauer-Betz, Maria Rammelmeier, Jessica Schneider, Nicola Seitz, Selay Ünlü, Martin Waßink, Julia Weigt:
Dörfer in Verantwortung – Chancengerechtigkeit in ländlichen Räumen, sichern

 

88–89
Abstracts

 

REZENSIONEN

 

Renate Blickle: Politische Streitkultur in Altbayern (Werner Troßbach)

 

Christophe Duhamelle: Die Grenze im Dorf. Katholische Identität im Zeitalter der Aufklärung (Johann Kirchinger)

 

Johannes Kirchinger: Zwischen barocker Vielfalt und ultramontaner Uniformierung (Siegfried Grillmeyer)

 

Ulf Morgenstern: Arzt und Abenteurer, Minister und Memoirenschreiber (Clemens Zimmermann)

 

Henning Türk: Ludwig Andreas Jordan und das Pfälzer Weinbürgertum. Bürgerliche Lebenswelt und liberale Politik im 19. Jahrhundert (Gunter Mahlerwein)

 

Frank Uekötter (Hg.): Comparing Apples, Oranges, and Cotton (Birgit Metzger)

 

Julia Paulus (Hg.): „Bewegte Dörfer“. Neue soziale Bewegungen in der Provinz 1970–1990 (Freia Anders)

 

 

Claudia Neu, Eva Barlösius:

Editorial: Dörflichkeit und Ländlichkeit – Studien über das soziale Leben im Dorf 

 

Eben erst haben wir die Neue Ländlichkeit ausgerufen und ihre Protagonisten in den
urbanen Hipstern, den Gemeinschaftsgärtnern, den Landlustleserinnen erkannt, die
ihr Heil zwischen Teilselbstversorgung, Globalisierungsgegnerschaft und Statuspanik
in der Idyllisierung des Ländlichen suchen und sich ihre Vorstellung vom Dorf in die
Stadt holen.

Ländlichkeit verweist auf Land und damit auf Landwirtschaft, Landschaft und
eine besondere Siedlungsstruktur (Stephan Beetz 2010: 124). Wenngleich in den Heuballenheften
und beim Urban Gardening Anklänge an landwirtschaftliche Produktion
und Hauswirtschaft zu finden sind, so geht es beim neuen Land-Trend jedoch nicht
um Lebensmittelproduktion oder Ernährungssicherung, vielmehr um Lifestyle, Dekorieren
sowie um Inszenierung und Konsum vermeintlich ländlicher Attribute. Oft
garniert mit einer Anti-Attitüde (antikapitalistisch, antiglobal) oder der Rhetorik des
Verlustes. Ländlichkeit beschreibt keinen konkreten Ort, sondern ist vielmehr eine
imaginierte Selbstverortung. Hier suchen und finden die Menschen, was verloren
scheint: Naturnähe, Ursprünglichkeit, den Geschmack von Heimat und den Geruch
von Mutter Erde.

Was macht eigentlich in dieser Inszenierung der Mensch auf dem Land? Er lebt
im Dorf! In Ergänzung oder als Teilmenge von Land meint Dorf in seiner idealisierten
Form „eine spezifische Form der lokalen Vergesellschaftung“ (ebenda: 125), die auf
Grund dünner Besiedlung, geographischer Abgeschiedenheit und landwirtschaftlicher
Produktion, eine vermeintlich ländliche Sozialform/Lebensform hervorgebracht
hat, die sich ebenfalls idealtypisch durch die Integration der ganzen Person (Ganzheit),
wenige dichte Sozialbeziehungen (Überschaubarkeit) sowie eine stabile wenig
differenzierte Sozialstruktur (Homogenität) mit spezifischen Akteurskonstellationen
auszeichnet.

Land und Dorf werden oft synonym verwendet, schaut man jedoch genau hin, so
ist die idyllisierte Ländlichkeit durchaus ein jahrhundertealtes Topos, das vor allem
durch die häufige Verwendung in Kunst und Literatur vertraut und breitenwirksam
ist. Dürfte Ländlichkeit durchweg positiv belegt sein, so schwingt im Bild des Dorfes
zugleich die dunkle Seite von Gemeinschaft, Zusammenhalt und gesellschaftlicher
Homogenität mit: Enge, soziale Kontrolle, Gewalt und Exklusion der Andersdenkenden,
der Fremden.


Eine Einladung zur Begriffsdiskussion

 

Dieses Heft lädt dazu ein, über den noch ungewohnten Begriff der Dörflichkeit nachzudenken.
In erster Annäherung soll damit jene Ausprägung von Sozialität bezeichnet
werden, die Stephan Beetz als spezifische Form lokaler Vergesellschaftung gekennzeichnet
hat. Gewiss könnte man diese Zuspitzung auf Soziales als künstliche, sprich
theoretische Verengung kritisieren und Kulturelles, Sinnstrukturen und Vergleichbares
hinzunehmen. Um aber abschätzen zu können, wie leistungsfähig der Begriff
Dörflichkeit ist bzw. gemacht werden kann, ist eine solche Beschränkung hilfreich.

 

In der deutschen Forschung ist der Begriff Dörflichkeit noch nicht etabliert, obgleich
er von manchen bereits genutzt wird, beispielsweise von Werner Nell und Marc
Weiland. Der hier vorgeschlagene Gebrauch von Dörflichkeit ist von Jean Pierre Le
Goffs Studie über „La fin du village. Une histoire française“ (2012) inspiriert. Es handelt
sich dabei um eine freihändige Übersetzung des von ihm verwendeten Begriffs
der „sociobilité villageoise“ (Goff 2012: 95). Le Goff nutzt ihn, um den Wandel des
sozialen Lebens in Cadenet – einer kleiner Ortschaft in der Provence – seit den 1950er
Jahre bis ungefähr zur Jahrtausendwende zu rekonstruieren. Für die „sociobilité villageoise“
ist charakteristisch, dass sich die Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner
persönlich kennen, eine „une veritable inter-connaissance“ (ebenda: 14) existiert,
sie eine ähnliche Lebensweise miteinander teilen, eine soziale Ordnung der Nähe
besteht, man Probleme mehr oder weniger unter sich regelt und dafür nur selten
staatliche Instanzen und Institutionen in Anspruch nimmt. Le Goff zeigt in seiner
Studie, wie diese „sociobilité villageoise“ über die letzten Jahrzehnte verändert und
mehr und mehr seine Eigenart eingebüßt hat.

 

Warum haben wir – was ja sprachlich korrekter gewesen wäre – „sociobilité villageoise“
nicht mit dörflicher Sozialität übersetzt? Zudem ließe sich diese Übersetzung
leichter in den üblichen Sprachgebrauch integrieren. Gerade, weil der Begriff Dörflichkeit
aufmerken lässt, vielleicht sogar sprachlich widerständig ist, verlangt er eine
explizite Auseinandersetzung mit dem Phänomen, das mit ihm bezeichnet werden
soll. Und dies bewahrt davor, Vieles, was im Allgemeinen als evident gilt, einfach
weiter zu tradieren. Dazu gehört insbesondere, dass sich Dorf als Siedlungsform und
eine spezifische Form der lokalen Vergesellschaftung quasi gegenseitig bedingen.

 

Dörflichkeit – so die in diesem Heft zugrunde gelegte Hypothese – eignet sich,
eine eigene Art sozialer Beziehungen, Verpflichtungen und Ansprüche begrifflich zusammen
zudenken. Diese sozialen Eigenschaften können auch jenseits eines Dorfes
entstehen und praktiziert werden: Sie können sich im Kiez und im Arrondissement
herausbilden und nicht in allen Dörfern haben die sozialen Beziehungen, Verpflichtungen
und Ansprüche den Charakter von Dörflichkeit. Mit anderen Worten, unter
Dörflichkeit sollen soziale Qualitäten ohne substantielle Vorgaben, wie Abgelegenheit,
Bevölkerungsdichte oder Wirtschaftsweise, gefasst werden, also jenen Merkmalen,
die im Allgemeinen zur Bestimmung von Dörfern und ländlichen Regionen
genutzt werden. Dies ist wichtig, weil ansonsten die sozialen Eigenheiten in ein Bedingungsverhältnis
zu bestimmten substantiellen Voraussetzungen gesetzt werden.

 

Gerade die letzte Absicht evoziert die kritische Nachfrage, warum dann überhaupt
mit einer begrifflichen Assoziierung an dörflich und Dörfer gearbeitet werden soll,
denn schließlich bezieht sich sprachlich gesehen Dörflichkeit eindeutig auf Dorf. Eine
sehr berechtigte, aber auch heikle Frage. Wie eingangs geschrieben, besteht die soziale Welt auch aus Semantiken, Imaginationen und Deutungs- und Wahrnehmungsmustern.

 

Gerade die Phänomene der Neuen Ländlichkeit und der Rurbanität zeugen
davon. Nun könnte man kritisieren, dass Dörflichkeit als schlichte Dopplung dessen
vornimmt, was wissenschaftlich distanziert beobachten ist. Gewiss, dieser Vorwurf
kann nicht vollkommen zurückgewiesen werden, aber selbst das Bemühen um wissenschaftliche
Distanzierung darf sich durchaus anschaulicher Begriffe bedienen. Diese
Anschaulichkeit soll aber nicht dazu verleiten, in Zeiten hektischer Heimatsuche,
gesellschaftlichen Homogenisierungsphantasien das Wort zu reden. Natürlich bleibt
fest im Auge zu behalten, wo Dörflichkeit als Projektionsfläche für Sehnsucht nach
Gemeinschaft und Zusammenhalt ohne Vielfalt dient. Steht Dörflichkeit jedoch nicht
für eine rückwärtsgewandte Antimoderne, sondern für einen gesellschaftlichen Erwartungs-
und (Aus-)Handlungsraum für zukünftiges Zusammenleben, das den Wunsch
nach Nähe, Kommunikation und Integration aufnimmt, dann wäre viel erreicht.

 

Dörflichkeit als Imaginations-, Reflexion und Handlungsraum

 

Trotz dieser gesellschaftlichen und politischen Präzisierung wird hier Dörflichkeit als
offener, als ein theoretisch und empirisch erst noch zu füllender Begriff behandelt.
Die vier Aufsätze in diesem Heft gehen dieses Vorhaben auf sehr unterschiedliche
Weise an und leuchten damit auch verschiedene Möglichkeiten und Grenzen des
Begriffs Dörflichkeit aus.

 

Claudia Neu arbeitet in ihrem Beitrag „Akteure der Neuen Dörflichkeit“ heraus,
dass im Unterschied zur reinen lustvollen Imaginierung der Ländlichkeit, Dörflichkeit
einen deutlich aktiveren Part hat: Zusammenhalt und Gemeinschaft entstehen nur im
Miteinander. Das neu erwachte Interesse an Dörflichkeit speist sich vornehmlich aus
zwei Quellen. Zum einen greift hier, wie bei der Neuen Ländlichkeit, der antimoderne
Reflex: verloren in der globalisierten Welt braucht es mehr Nähe, mehr Gemeinschaft
und Zusammenhalt. Zum anderen reagieren viele bürgerschaftliche Initiativen in
Stadt und Land auf einen zunehmenden Mangel an wohnortnaher Grundversorgung
und das Fehlen öffentlicher Räume. Dorfläden, Nachbarschaft-Apps oder Erzähl-Cafés
zeugen von dieser Entwicklung.

 

Vielleicht mag es verwundern, dass in einer Zeitschrift für Agrargeschichte und
Agrarsoziologie den Literaturwissenschaften und der Medienanalyse solch breiter
Raum gegeben wird. Bereits die einleitenden Worte haben möglicherweise deutlich
gemacht, dass das Phänomen „Ländlichkeit“ in besonderem Maße in Literatur und
in den Medien, vor allem in den diversen Landlust-Magazinen „bearbeitet“ wird.
Literatur und Medien kreieren einprägsame Bilder und sind damit Seismographen
der Dörflichkeit, ohne jedoch selbst als Beteiligte aufzutreten. So legen die folgenden
zwei Beiträge von Nell/Weiland und Strotdrees eindrücklich dar, wie sehr die Semantiken
und Bilder von Land und Dorf nicht nur gesellschaftliche Projektionsflächen
sind, sondern ebenso als Reflexions- und Diskursräume fungieren, in denen auch die
Zukunft ländlicher Räume verhandelt wird. Werner Nell und Marc Weiland zeigen in
ihrem Beitrag „Zwischen Imagination, Projektion und Erfahrung: Topoi des Dörflichen
und ihre Funktionen in der Gegenwart“, dass Dörfer über eine alte, von Europa
aus gesehen bis in die Antike zurückreichende Kultur- und Bildgeschichte verfügen,
die sich in den Literaturen entsprechend wiederfinden und auch erforschen lässt.

Dabei stehen Dörfer und die in ihnen angesiedelten Geschichten aktuell in dreifacher
Weise in Frage. Zum Ersten lösen sich historisch und sozial dörfliche Einheiten, Strukturen
und Lebensmodelle unter den Entwicklungen spätmoderner Gesellschaften auf.
Zum Zweiten treten Dörfer in den Selbstbeschreibungen der Moderne allenfalls noch
als Residualräume bzw. als Projektionsflächen der Kulturkritik in Erscheinung; und
schließlich nimmt auch die Zahl der Menschen, die in Dörfern leben, beständig ab.
Umso erstaunlicher ist, dass das Interesse an dörflichen Bildern und Rahmungen aktuell
in kulturellen Diskursen und Medien wieder einmal zunimmt. Diese Konjunktur
des Dörflichen ist allerdings nicht nur als Flucht und Regression zu interpretieren,
sondern vielmehr als Beitrag zur Diskussion um die Lebensmöglichkeiten und -welten
unter den Bedingungen fortgeschrittener Moderne. Eine zentrale Rolle spielen
in diesen Diskursen die Ästhetisierung und Funktionalisierung des Dörflichen in literarischen
Texten. Literarische Dorfgeschichten nehmen nicht nur soziokulturelle
Transformationen auf, sondern arbeiten auch an einer (selbst-)reflexiv orientierten
Neubeschreibung ländlicher Lebenswelten.

 

Gisbert Strotdrees vertieft die Thematik in seinem Beitrag „Zwischen Landlust und
Randfrust − mediale Dorf-Bilder der Gegenwart“ nochmals mittels einer eingehenden
Medienanalyse. Er stellt in einer Sammlung von Bildern und Semantiken aus den
Medien, solche mit besonderer gesellschaftlicher und politischer Wirksamkeit vor.
Wie berichten Medien, insbesondere überregionale Tages- und Wochenzeitungen,
über Dorfalltag und Landleben der Gegenwart in Deutschland? Gefragt wird zudem
nach Konjunkturen des Themas „Dorf“/„Land“ in den (Print-)Medien der jüngeren
Vergangenheit und Gegenwart, aber auch nach der thematischen Akzentsetzung und
Realitätsnähe der journalistischen Beiträge. Der Autor zeigt, dass sie von Perspektiven
der Vergangenheit (Idylle, Nostalgie), Gegenwart (Realitätsbeschreibungen) und Zukunft
(das Land als utopisches Modell) geprägt sind. Den Abschluss bildet die Frage,
warum in vielen Medienbeiträgen der urbane Raum mit seinen kommunikativen
Regeln einen mehr oder weniger „heimlichen Vermessungspunkt“ bildet, von dem
aus das Land und die Dörfer gedeutet werden.

 

Mit dem abschließenden Beitrag von Eva Barlösius „Dörflichkeit? Theoretische
und empirische Reflexionen über einen heterodoxen Begriff“ endet das Themenheft
mit einer soziologischen Auseinandersetzung zu Begriffen, sozialen Beziehungen und
Ansprüchen. Eva Barlösius nutzt Dörflichkeit, um die theoretischen und empirischen
Verengungen, die in den üblichen Differenzbegriffen wie Stadt und Land, Gemeinschaft
und Gesellschaft angelegt sind, zu überwinden. Genauso will sie damit jene
Begrenzungen aufzeigen, die aus solchen Forschungsperspektiven resultieren, die
sich darauf beschränken, auf die Semantiken und Imaginationen über das dörfliche
Leben, mit Gegenbegriffen und -bildern zu antworten. Denn solche Antworten greifen
häufig eher in den gesellschaftlichen Prozess ein, als dass sie diesen analysieren und
aufzeigen, welche gesellschaftlichen Auseinandersetzungen ihm zugrunde liegen.

 

Literatur

 

Beetz, Stephan (2010): Ist das Land anders? Neue räumliche Ordnungen und ihre
gesellschaftlichen Diskurse, in: Berliner Debatte Initial 21: 2, S. 123-135.

Goff, Jean-Pierre le (2012): La fin du village. Une histoire francaise, Paris.

 

Abstracts

 

Eva Barlösius

Villageness? Theoretical and empirical reflections on a heterodox concept

 

Novel scientific knowledge results from the antagonism of orthodox and broad accepted
knowledge, on one hand and new ideas, methods, etc. on the other. Villageness
represents a heterodox concept, which could be used for changing the research
perspectives on the characteristics of social life in villages. This concept overcomes
the well-established but more and more inadequate use of classical differentiating notions
like urban and rural, society and community, public and private, modernity and
tradition (like Simmel, Tönnies, Bahrdt). Looking at the history of these differentiating
notions one sees that they have not yet been introduced for analyzing sociality in
villages but for categorizing fundamental social differences. These theoretical aspects
are treated in the first part of the article; the second part explores what villageness
means empirically, esp. with regards to knowing each other, helping each other and
integrating new residents. One important result of the empirical analysis is that villageness
is not characterized by a social unit or by social uniformity but by varied
levels of sociality which consist of distinct forms and manifestations of belonging to
a certain village.

 

 

Werner Nell/Marc Weiland

Between Imagination, Projection and Experience: Village topoi in contemporary settings

 

Going back to pre-ancient histories of settling and production, villages provide a historical
reservoir of cultural experience and imagination. This can also be experienced
and traced back – especially from a European perspective – by looking at literature.
Today, villages and village-tales appear to be contested in three different modes: At
first, historically and socially in the course of the development of late-modern societies,
villages are dissolved as unities, structures and life-models. Secondly, within
the self-description of modernity, villages appear mostly as residual spaces or areas
of cultural criticism. Ultimately, the number of people living in villages is steadily
decreasing.


Despite these three modes of contestation, it seems quite surprising that in contemporary
media the representation and discussion of villages is increasing again
once more. However, the revival of the village cannot be solely interpreted as a form
of escape or regression from the challenges of modernity. Instead, it seems to be
another contribution to the discussion of life-modalities under the conditions of a
further developing modernity. Moreover, within these discourses the aesthetics and
functions of village-settings appear to obtain a key role. Literary village stories absorb
sociocultural transformations and work on a (self-) reflexive rewriting of rural living
environments.

 

Claudia Neu

Protagonists of the New Villagesness

 

The rural dream is being able to enjoy a countryside garden along with a good life and
sustainable consumption, self-stylisation being key. Whereas villageness targets the
community, belonging and sociability. Villagesness has to be actively developed and
established together with others. Thus, it has to be understood as a form of socialisation
in the social environment, which isn’t restricted to the rural area. The ruralness
also isn’t restricted to the rural areas, but is a general structure phenomenon. The
new ruralness longs for originality, nature proximity and industrial alienation. The
new villageness longs for a social proximity and communication in small local groups.

 

Gisbert Strodrees

In between escapism and marginalism – contemporary media images of villages

 

How do contemporary German media, especially national daily and weekly newspapers,
report about rural life of the present in Germany? This is the key question of this
study. The survey looks for statistical changes of the topic/subject in media reports
of the recent past and present, but also for special accentuations and the degrees of
realism used in reports about rural life. The author shows that the media coverage
about country life is characterized by three perspectives: The perspectives of the past
(idyll, nostalgia), the present (description of actual reality) and the future (the land
as an area for utopia patterns). In the end, one question forms the conclusion of the
survey: Why are the urban space and its communicative rules forming a more or less
„secret survey point“ in many media contributions, from which the country and the
villages are evaluated?