Unsere Tagungen

English version below

 

Einmal im Jahr, in der Regel im Juni, veranstaltet die Gesellschaft für Agrargeschichte eine ein- oder zweitägige Konferenz. Meist handelt es sich dabei um thematisch eingegrenzte Tagungen, die oft epochenübergreifenden Charakter haben. Immer ist dabei die Aktualität der Forschungsergebnisse oberste Priorität.

Die Teilnahme ist immer auch Nichtmitgliedern und allgemein Interessierten möglich.

Vormerken!! Unsere Tagung 2017:

 

"Neuere Forschungen zur Geschichte der Agrarpolitik und Agrarwirtschaft 1930-1970"

16. Juni 2017 im Kulturwissenschaftlichen Zentrum Essen

 

Verantwortlich: Prof. Dr. Andreas Dornheim (Universität Bamberg, Zweiter geschäfts­führender Vorsitzender der Gesellschaft für Agrargeschichte) und Dr. Johann Kirchinger (Universität Regensburg, Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft für Agrargeschichte)

 

Die Forschung zur Geschichte der Agrarpolitik und Agrarforschung des 20. Jahrhunderts ist in Bewegung gekommen. Diesen aktuellen Entwicklungen trägt die Gesellschaft für Agrar­geschichte mit ihrer Jahrestagung 2017 Rechnung. Geplant ist eine eintägige Konferenz mit vier Vorträgen, die nicht nur deutsche, sondern darüber hinaus auch europäische Perspek­tiven einnehmen.

 

 

Programm

 

Ernst Langthaler:

Völkischer Produktivismus: Nationalsozialismus und Agrarmodernisierung im Reichsgau Niederdonau

 

Andreas Dornheim:

Die Aufarbeitung der Geschichte des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft und seiner Vorgängerinstitutionen

 

Johann Kirchinger:

Interessenvertretung unter Staatsaufsicht. Bayerischer Bauernverband und Landwirtschafts­ministerium zwischen Drittem Reich und Bundesrepublik

 

Carine Germond:

Die politische Rolle der deutschen und europäischen Bauernverbände bei der Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der EWG in den 1960er und 1970er Jahren

 

 

In seiner umfassenden, im Jahr 2016 veröffentlichten Studie „Schlachtfelder. Alltägliches Wirtschaften in der national­sozialistischen Agrargesellschaft 1938-1945“ geht Ernst Lang­thaler davon aus, dass die „Vision eines nationalsozialistischen ‚Agrar-Europas‘“, wie sie der führende NS-Agrarpolitiker Herbert Backe vertrat, das Gegen­modell zu einer „globalen, marktliberalen Agrargesellschaft unter britischer Hegemonie“ gewesen sei. Das Deutsche Reich sei das „Gravitationszentrum“ eines kontinental­euro­päischen Großraums mit „abhängigen Periphe­rien“ gewesen. Ernst Langthaler wird am Beispiel des Reichsgaues Niederdonau die Kräfte­felder vorstellen, die sich zwischen dem NS-Regime und der Agrargesellschaft aufspannten und in denen ländliche Akteure unter­einander und mit NS-Funktionsträgern um Ressourcen rangen. Seine Studie legt zwar nahe, dass das Projekt eines „völkischen Produktivismus“ – die Erzeu­gung eines „rassisch“ und wirtschaftlich leistungs­fähigen „Bauerntums“ – zwar in techni­scher Hinsicht steckenblieb, dass es jedoch in institu­tioneller Hinsicht die Weichen der Agrar­entwick­lung in Richtung einer „alternativen Moderne“ jenseits von Liberalismus und Kommunismus stellte.

 

Diese Darstellung zieht eine Reihe von Fragen nach sich, vor allem die nach dem historischen Nachwirken dieser Konzeption. So ist es von großem Interesse, an welchen Vorbildern sich die bundesdeutsche Agrarpolitik in den 1950er Jahren orientierte. Darüber hinaus wäre zu fragen, ob sich über die Römischen Verträge von 1957 hinaus bestimmte konzeptionelle Kontinuitätslinien in die gemeinsame europäische Agrarpolitik ausmachen lassen. Hier knüpfen die anderen Beiträge an.

 

Andreas Dornheim ist Mitglied der Historikerkommission, die im Juli 2016 vom Bundes­ministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) eingesetzt wurde, mit dem Ziel, die Wiedergründung des Ministeriums im Jahr 1949, die Geschichte seiner Vor­gänger­institu­tionen und die Frage nach der personellen und sachlichen Kontinuität und Diskontinuität zu untersuchen. Andreas Dornheim wird die Aufgaben der neuen Kommission vorstellen und dabei auch den Weg der deutschen Agrarpolitik in die Europäische Union behandeln.

 

Johann Kirchinger befasst sich seit vielen Jahren mit den agrarpolitischen Verbänden und Interessen­ver­tretern, die in der deutschen Politik des 19. und 20. Jahrhunderts maßgeb­lichen Einfluss ausübten. Er geht der Frage nach, wie es Agrar­funktionären gelang, auf landes-, bundes- und europa­politischen Bühnen herausgehobene Rollen zu spielen.

Carine Germond ist eine der profiliertesten Historikerinnen der jüngeren Generation, die sich mit der Geschichte der europäischen Integration befasst, in der die Agrarpolitik bekanntlich eine Schlüsselrolle einnahm. Sie befasst sich insbesondere mit den widersprüch­lichen Positionen der deutschen und der französischen Agrarpolitik und den aus dieser Widersprüchlichkeit resultierenden Kompromiss­lösungen, die für die europäische Agrar­politik lange prägend waren. Darüber hinaus hat sie jüngster Zeit Arbeiten zur Rolle der verschiedenen nationalen Agrarverbände bei der Gestaltung der gemeinsamen europäischen Politik vorgelegt.

 

Referenten

Prof. Dr. Andreas Dornheim, Institut für Geschichte der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, Fischstr. 5/7, FI5/02.21, D-96047 Bamberg

andreas.dornheim@uni-bamberg.de

 

Dr. Carine Germond, Norwegian University of Science and Technology, NO-7491 Trondheim

carine.germond@ntnu.no

 

Dr. Johann Kirchinger, Universität Regensburg, Fakultät für katholische Theologie, Lehrstuhl für Mittlere und Neue Kirchengeschichte, D-93040 Regensburg johann.kirchinger@theologie.uni-regensburg.de

 

Prof. Dr. Ernst Langthaler, Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Altenberger Straße 69, A-4040 Linz-Auhof Ernst.Langthaler@noel.gv.at

 

 

English version

 

Once a year, usually in June, the GfA organizes a conference. Mostly the conferences are characterized by a conceptual framework, comprehensive approaches and presentations regarding different periods. Highest priority is up-to-dateness of the research results.

Attendance is open regardless of membership.

 

Further information:

Past conferences of the GfA

Past conferences of the Arbeitskreis für Agrargeschichte (1994-2012)