2010

Dr. Klaus Herrmann (Hohenheim) und Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer (Möglin/Brandenburg) ausgezeichnet – Feierliche Preisverleihung in Hohenheim – Appell zur stärkeren Pflege von Kulturgütern (GfA).

 

Die Gesellschaft für Agrargeschichte (GfA) hat zum zweiten Mal die AgrarKulturerbe-Preise verliehen. Dr. Klaus Herrmann, der Leiter des Deutschen Landwirtschaftsmuseums an der Universität Hohenheim, ist heute im Schloss Hohenheim mit dem AgrarKulturerbe-Preis 2010 ausgezeichnet worden. Den zweiten Preis erhielt die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer in Möglin (Brandenburg), für die der Geschäftsführer Prof. Dr. Martin Frielinghaus die Auszeichnung in Empfang nahm. Die Preise überreichten im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung der Vorsitzende der Gesellschaft für Agrargeschichte Dr. Dietrich Rieger gemeinsam mit der Staatssekretärin im Baden-Württembergischen Landwirtschaftsministerium Friedlinde Gurr-Hirsch, MdL. An der Feier im vollbesetzten Balkonsaal des Universitäts-Hauptgebäudes nahmen Repräsentanten aus den Agrarwissenschaften, der Landtechnikindustrie und agrarischen Organisationen sowie Mitglieder aus dem Bereich Agrargeschichte und Landwirte aus der Region teil, darunter auch Nachkommen aus der Thaer-Familie.

 

Appell zur Pflege des Kulturgutes im ländlichen Raum

 

Auf den Verfall des ländlichen kulturellen Erbes in unserem Lande wird seit langem von der Gesellschaft für Agrargeschichte hingewiesen. Es ist tatsächlich ein dringendes Problem. Wie Dr. Rieger in seiner Begrüßung betonte, sei vieles von großem historischem Wert aus Unachtsamkeit, aus Geldmangel, aber auch aus Fehlen eines Bezuges zur eigenen Geschichte am Verkommen. Er appellierte an die Gesellschaft, sich wieder mehr der Geschichte und der Kultur im ländlichen Raum bewusst zu werden und sorgfältig damit umzugehen. Die Gesellschaft für Agrargeschichte wolle mit ihrer Arbeit auf das vorhandene Agrarkulturerbe aufmerksam machen und Menschen zum Erhalt und zum verantwortungsvollen Umgang mit historisch wertvollen Gütern im ländlichen Raum motivieren. Dem diene zum einen die Datenbank Agrarkulturerbe, die sie mit Unterstützung von Sponsoren geschaffen hat und die über das Internet für jedermann zur Verfügung steht. Darin sind inzwischen unter anderem 50.000 Bauernhäuser, Mühlen, Almen, Trachten, Bräuche wie auch Schriften, Museen und Gedenkstätten aufgelistet und beschrieben. Mit dem AgrarKulturerbe-Preis, den die Gesellschaft gestiftet hat, sollen Personen oder Institutionen ausgezeichnet werden, die sich ganz besonders um den Erhalt des AgrarKulturerbes verdient gemacht haben.

 

Preis für vorbildhafte Lebensleistung von Dr. Herrmann

 

Mit dem AgrarKulturerbe-Preis 2010 würdigt die Gesellschaft für Agrargeschichte die Lebensleistung von Dr. Klaus Herrmann. Der aus Koblenz stammende, studierte Volkswirt und dann „gelernte Experte für Technikgeschichte“ hat seit der Übernahme der Leitung des Deutschen Landwirtschaftsmuseum im Jahre 1988 an der Universität Hohenheim eine einzigartige Sammlung über die Geschichte der Landwirtschaft und über die Entwicklung der Landtechnik geschaffen. Wie Dr. Hasso Bertram in seiner Laudatio hervorhob, habe der Preisträger „nicht nur eines unter vielen, sondern es zu dem Deutschen Landwirtschaftsmuseum schlechthin gemacht“. Als weltweit einzigartig bezeichnete Dr. Bertram, der ehemalige Geschäftsführer des Bereichs Landtechnik bei der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und einer der renommiertesten Kenner der Landtechnik in Deutschland, die Sammlung wertvoller historischer Geräte in inzwischen vier Hallen. Sie reiche vom einfachen ackerbaulichen Gerät bis zur modernsten Agrartechnik. Dieses „Schatzhaus der landwirtschaftlichen Entwicklung“ sei mit seinen Sammlungen, so Dr. Bertram, älter als das Deutsche Museum in München und als die anderen Museen im Agrarbereich. Auch habe Dr. Herrmann im Laufe der Jahre in Hohenheim das umfangreichste Schrift- und Bildarchiv für Landtechnik in Deutschland geschaffen. Hinter diesen umfangreichen Sammlungen stehe ein „leidenschaftlicher Jäger und Sammler“, so Dr. Bertram in seiner Würdigung weiter. Herrmann verstehe es meisterhaft, „verborgene Quellen aufzuspüren, historisches Material zu sichern und Fakten zu dessen Verständnis zusammen zu tragen und zu erarbeiten“. Über das erfolgreiche Sammeln und Ausstellen historischer Landtechnik hinaus sei Dr. Klaus Herrmann einer der erfolgreichsten Autoren von populären Landtechnik-Büchern sowie agrarhistorischer Fachbücher. „Wie nur weniger versteht er es meisterhaft, historische Ereignisse lebendig werden zu lassen“. Dieses außerordentlich umfangreiche Werk Dr. Herrmanns sei das Ergebnis einer „leidenschaftlichen Technikbegeisterung verbunden mit ausgeprägtem Forscherdrang und immensem Fleiß“, wie der Vorsitzende der Gesellschaft für Agrargeschichte Dr. Rieger dessen Wirken zum Abschluss als vorbildhaft herausstellte

 

Rettung und Erhaltung des kulturellen Erbes von Albrecht Daniel Thaer gewürdigt

 

Mit dem zweiten Preis ist die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer in Möglin (Brandenburg) ausgezeichnet worden. Damit werden deren überragenden Leistungen bei der Rettung und Erhaltung des agrarkulturellen Erbes von Albrecht Daniel Thaer gewürdigt. Dass mit Prof. Dr. Erwin Reisch der international hochangesehene, emeritierte ehemalige Rektor der Universität Hohenheim und langjährige Inhaber des dortigen Lehrstuhls für landwirtschaftliche Betriebslehre die Laudatio auf die Fördergesellschaft hielt, hat der Bedeutung Thaers auf die heutige Agrarwissenschaft und der beispielhaften Erhaltung dieses Erbes durch die Fördergesellschaft einen besonderen Stellenwert verliehen. Thaer (1752-1828) gilt als der große Vordenker für rationelle Landwirtschaft und sei heute noch ein „Lehrmeister“ für die Landwirtschaft. Thaer lebte von 1804 bis zu seinem Tode 1828 in Möglin, das rund 50 km östlich von Berlin liegt. Er errichtete dort ein international renommiertes Versuchsgut und eine Bildungsstätte. Prof. Reisch berichtete, dass die Lehrbücher von Thaer zu Beginn seines Agrarstudiums nach dem Kriege zu seinen ersten Begegnungen mit der Agrarwissenschaft gehörten. Zwei der Leitsätze von Thaer hätten auch heute noch ihre hohe Bedeutung, nämlich als Landwirt „richtig entscheiden lernen“ sowie die Verbesserung und Mehrung der wirtschaftlichen Verhältnisse eines landwirtschaftlichen Betriebes. Er habe damit bereits die Basis für die heutige unternehmerische Landwirtschaft gelegt, so Prof. Reisch. Ein Prinzip von Thaer erhalte gerade heute wieder besondere Bedeutung, nämlich dass die Ausbildung grundsätzlich neben der landwirtschaftlichen auch mit naturwissenschaftlicher Grundausbildung verbunden 4 werden muss. Darin sieht er sogar ein Geheimnis erfolgreichen Wirtschaftens in der Landwirtschaft. In der DDR wurden die Thaerschen Gebäude in Möglin als Internat für landwirtschaftliche Lehrlinge und als Veranstaltungseinrichtung genutzt. In den Wirren der Wendezeit und danach die historisch überaus wichtigen Zeugnisse von Thaers Wirken zu retten und in dem 2009 fertig gestellten Museumsgebäude unterzubringen, das bezeichnete Prof. Reisch als eine Leistung, „die größte Hochachtung“ vor der engagierten und furchtlosen Arbeit der Mitglieder der Fördergesellschaft verdiene. „Damit haben Sie und ihre Mitglieder eine wertvolles Kulturerbe für uns und die Nachkommen gerettet“, richtete er den Dank an Prof. Dr. Martin Frielinghaus stellvertretend für die Fördergesellschaft. Die Verantwortlichen und Mitglieder der Fördergesellschaft haben sich, wie Dr. Rieger in seinem Schlusswort betonte, „um das Erbe von Thaer dauerhafte, außerordentliche Verdienste erworben“.

 

Dank für finanzielle Unterstützung

 

Die Vergabe der AgrarKulturerbe-Preise 2010 ist vom Landtechnikunternehmen AGCO- Fendt finanziell unterstützt worden. Dr. Dietrich Rieger dankte dem bekannten Allgäuer Unternehmen ausdrücklich für die Förderung, die damit die Herausstellung und Würdigung von außerordentlichem Engagement und Leistungen zur Bewahrung von agrarkulturellem Erbe ermöglicht habe. Der Leiter für Presse und Werbung von AGCO-Fendt, Sepp Nuscheler, hat für das Unternehmen die Preise mit überreicht.

 

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Die Agrarkultur-Preisträger 2010 bei der Verleihung (v.l.n.r.) Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Prof. Dr. Martin Frielinghaus, Dr. Klaus Herrmann, Sepp Nuscheler von AGCO-Fendt und Dr. Dietrich Rieger.

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In festlichem Ambiente begrüßt der Vorsitzende der Gesellschaft für Agrargeschichte Dr. Dietrich Rieger die Gäste zur Preisverleihung.

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